Archiv der Kategorie 'NS-Kontinuitäten in der BRD'

Gemeinsamer FilmTresen mit der FSI OSI am 30.1.

Am 30. Januar 1933 übergaben die wirtschaftlichen, militärischen und politischen Eliten der Weimarer Republik die Macht an Adolf Hitler. Die Folgen dieses Schritts sind bekannt: die Ausschaltung der deutschen Arbeiter_innenbewegung, der Versuch der Vernichtung des europäischen Judentums und der von Deutschland ausgehende Zweite Weltkrieg mit mehr als 50 Millionen Toten. Zwanzig Jahre nach Ende dieses Krieges schuf der sowjetische Regisseur Michail Romm den Film „Der gewöhnliche Faschismus“. Dieser Dokumentarfilm setzte stilistisch und inhaltlich Maßstäbe und ist bis heute eine der genauesten filmischen Beobachtungen des deutschen Faschismus in seiner ganz alltäglichen Banalität – ohne dabei je die verbrecherische Dimension aus den Augen zu verlieren.
Die Fachschaftsinitiativen des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft und des Geschichtsinstituts der FU Berlin zeigen anlässlich des Jahrestags der Machtübergabe an die Nazis den Film von Michail Romm und laden zur anschließenden Diskussion.

Die Veranstaltung beginnt 21 Uhr im Bandito Rosso (Lottumstraße 10a, U Rosenthaler Platz o. U Rosa Luxemburg Platz). Der Eintritt ist wie immer frei.

Den Blog der FSI OSI findet hier: FSI OSI BLOG

Sarrazin halt’s Maul – Rassismus abschaffen! Kundgebung gegen Sarrazin

Im Hotel Estrel wird Thilo Sarazzin Raum geboten, seine rassistischen
Ansichten aus „Deutschland schafft sich ab“ auszubreiten. Auf Einladung
des Berliner Abendblattes schwadroniert er über die „Folgen, die sich
für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang und
Zuwanderung ergeben“. Er beschwört dabei die Illusion, Menschen mit
Migrationshintergrund stünden für Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen
und würden lauter religiös-fanatische Kinder produzieren. Wir wollen
Präsenz zeigten und die Verbreitung von Vorurteilen, Angstargumenten und
rassistischer Stimmungsmache in Neukölln nicht widerspruchslos
hinnehmen. Sarrazin, schaff dich selber ab, Neukölln lacht sich ab
deinem Rassismus schlapp!

Mittwoch 18. Mai 2011, 17 Uhr, Eingang Estrel Hotel, S Sonnenallee

Dieses Wochenende Naziaufmarsch in Dresden verhindern!

„Deutsche Helden“ vom Sockel holen

Kundgebung gegen das „Heldengedenken“ am Columbiadamm:
So, 14.11.2010 – 10 Uhr, Garnisonsfriedhof Columbiadamm (Columbiadamm 122)

Jedes Jahr im November wird in Deutschland offiziell der Volkstrauertag begangen. Die offiziellen Feiern umfassen eine militärische Zeremonie am Vorabend auf dem Lilienthalfriedhof am Südstern in Berlin-Kreuzberg mit den Militärattachés der Verbündeten, eine offizielle Gedenkstunde im Bundestag und eine feierliche Kranzniederlegung an der Neuen Wache. Ziel dieser staatlichen Rituale ist, neben der Inszenierung der Toten der Weltkriege als Opfer, eine positive militärische Traditionspflege und – seit Deutschland auch offiziell wieder Kriege führt – das offizielle Lob für selbstloses Sterben für das Vaterland. Daneben wird dieser Tag auch von Vertreter_innen verschiedener nationalkonservativer bis offen neonazistischer Gruppierungen auf dem alten Garnisonsfriedhof am Columbiadamm begangen. Am „Heldengedenktag“, wie sie ihn nach der offiziellen Bezeichnung des Tages im Nationalsozialismus nennen, treffen sie sich dort, um ihre Kränze abzuwerfen, Deutsche Kriegstote als „Helden“ und „Opfer“ zu verehren und ihre offen revisionistische Sicht auf die Geschichte öffentlich kundzutun.

Weiterlesen kannst du hier.
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Geschichte wird gemacht!?

Unter diesem Titel läuft in diesem Sommer die beliebte Themenfahrt der FSI Geschichte.
Wir wollen uns in diesem Jahr mit dem Thema ‚Geschichtsrevisionismus‘ auseinandersetzen und haben dafür ein paar exquisite Workshops für Euch/Uns zusammengestellt, die sich verschiedenen Aspekten des Themas widmen. Diese wollen wir gemeinsam so anordnen, dass jede_r die Möglichkeit hat teilzunehmen, wo er/sie möchte. Natürlich wollen wir auch die Semesterferien einleiten, es gibt genug Zeit für in der Sonne liegen, im See baden, kochen, chillen und feiern.

Es wird insgesamt 5 Workshops geben zu folgenden Themen:

Workshop I: Geschichtsrevisionismus – was ist das eigentlich?
Die Definitionsauseinandersetzung ist besonders bei schnell dahergesagten Wörtern wichtig. Damit wir bei unseren Diskussionen wissen, welche Möglichkeiten und Deutungen der Begriff „Geschichtsrevisionismus“ tragen kann, wollen wir uns zu Beginn darüber verständigen.

Workshop II: Historikerstreit – Gegen die ‚Entsorgung der deutschen Vergangenheit‘
Der Historikerstreit war in den Jahren 1986 und 1987 die in der Öffentlichkeit ausgetragene Debatte über die Einordnung der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Es geht um nationale deutsche Identität, um „Geschichtsbewusstsein“, um die Beschwörung eines nationalen Konsens in Deutschland und um die Entsorgung der dazu nicht passenden Vergangenheit.

Workshop III: Kontinuitäten kolonialer und rassistischer Diskurse
1. Teil: (Post)-Koloniale Repräsentationen und Diskurse
Koloniale und rassistische Diskurse über „unzivilisierte Völker“ und die zivilisierende Mission des „weißen Mannes“ erscheinen aus heutiger Sicht anachronistisch. Doch der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hegemonial gewordene Entwicklungsdiskurs weist zahlreiche Kontinuitäten zum Kolonialdiskurs auf, denen es lohnt nachzugehen.
2. Teil: Suche nach deutscher Kolonialgeschichte
Von der deutschen Kolonialgeschichte erfährt mensch heutzutage recht wenig. In den Schulen z.B. wird sie vielleicht mit einem Satz erwähnt – dann aber nicht weiter behandelt – was machen schon 20-30 Jahre der Weltgeschichte aus.Wir wollen uns anhand von Filmen, Postkarten, Bildern und Texten aus der deutschen Kolonialzeit einerseits und „postkolonialer“ aktueller Forschungsliteratur kritisch mit dem Thema auseinandersetzen und auch nach Erinnerungsorten in Berlin suchen, die oft untergehen oder im alltäglichen Leben so fest verankert sind, dass sie gar nicht mehr auffallen, wie z.B die U-Bahn-Haltestelle „Mohrenstraße“, die Wissmannstraße in Neukölln oder die Petersallee im sogen. „Afrikanischen Viertel“.

Workshop IV: Moderne Medien als Mittel der Geschichtsverdrehung
Bewegte Bilder prägen das Geschichtsbild der Gesellschaft und dienen zur allgemeinen Geschichtsvermittlung, dennFilme machen die Geschichte „lebendig“. Eingebrannte Celloloidgeschichtsbilder überlagern die kritische Betrachtung der Geschichte. So vermischen sich häufig behauptete Geschichtsschreibung und ungehemmte Kolportage. Wir möchten Fragen nachgehen wie: Welche Geschichtsbilder sind durch Medien verwischt und verändert und warum? Sind die geschichtlichen Fakten nur aus Gründen der Spannungskurve und der Einschaltquoten verdreht? Welche Macht haben geschichtliche Filme auf die Gesellschaft? Wie kann die Geschichtswissenschaft mit solchen Filmen umgehen?Wie weit darf die Geschichte durch Storyboards verändert werden?

Workshop V: Holocaustleugnung – Die Holocaustkonferenz 2006 in Teheran
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden 5,6 bis 6,3 Millionen Juden ermordet, systematisch und mit dem Ziel ihrer völligen Auslöschung. Nun gibt es eine revisionistische Tendenz, die die Behauptung aufstellt, dieser Völkermord habe nicht stattgefunden oder sei nur ein gewöhnlicher Massenmord oder Massensterben ohne historische Besonderheiten gewesen. Wir wollen uns mit den grundsätzlichen Argumenten der Holocaustleugnung auseinandersetzen, außerdem auf die revisionistische Holocaustkonferenz Dezember 2006 in Theheran eingehen.

Die Fahrt findet vom 18. bis 21. Juli 2008 statt, dabei geht es in ein Ferienhaus im idyllischen Werder bei Berlin, das mit dem ABC-Ticket erreichbar ist. Es gibt einige Schlafplätze im Haus, ansonsten werden wir im Garten zelten. Für Essen, Orga und Unterkunft seid ihr mit nur 5 Euro dabei.
Außerdem wird es ein Vortreffen zur Fahrt am 14. Juli um 20 Uhr im ‚Bandito Rosso‘ (Lottumstr. 10a, zwischen U8 Rosenthaler Platz und U2 Rosa-Luxemburg-Platz) geben. Dort werden Details vorbesprochen und die Reader verteilt, welche wir für die Fahrt angefertigt haben. Wenn ihr mitfahren wollt, aber zum Vortreffen keine Zeit habt, könnt ihr uns auch gerne eine Mail an fsigeschichte[ätt]web.de schreiben.

Antifa-Termine im Berliner Südosten


Antifa-Tressen des Antifaschistischen Bündnis Südost

10.04.2008 :: ab 21 Uhr :: Herrmannstrasse 48 (2. Hinterhof/ 1. Etage) ::
Nähe U-Bhf Boddinstrasse (U8)

… mit leckeren Cocktails, netten Menschen sowie Spiel, Spaß und
Spannung: Wer Lust hat, kann Kickern oder Karten spielen.

am 10.04.2008 und jeden 2. Donnerstag im Monat
ab 21 Uhr im Projektraum Neukölln

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Antifaschistisches Konzert „Le monde est à nous!“

19.4. :: 18 Uhr :: ABC_rocks :: Hirschgartenstrasse 14 :: Tram 60 und 61,
Bus X69 :: Nähe S-Bhf Hirschgarten

mit:

kaput krauts (HC)
Gringaloca (PopPunk/Rock)
Ginsengbonbons (Ska/Rock/Punk)
Stakeout (Ska/Rock/Punk)
Bangh Lassi (Punk/Rock)
und sonst…
… gibt’s Cocktails, Bier, Tombola mit tollen Preisen und super Info- und
Klamottenstände.

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Der 23. April – Die Rote Armee befreit Köpenick und Treptow

23.4. :: 17 Uhr :: Platz des 23. April :: Tram 27, 63 und 57, Bus 164 und 269

Am 23. April 1945 galten Köpenick und der Süden Treptows als befreit. Zwar
leisteten Reste der Waffen-SS erbitterten Widerstand – am Ausgang des
Krieges änderte dies nichts mehr. Zwölf Jahre Nationalsozialismus und
millionenfaches Morden fanden ihr Ende. Das jährliche Gedenken ist
zugleich Mahnung an den aufkeimenden Neonazismus.

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Schweigen ist Zustimmung – ein Programm des Stadttheaters Köpenick
anlässlich des 75. Jahrestages der Köpenicker Blutwoche

23.4 :: 18 Uhr :: Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche :: Puchanstrasse 12 ::
Tram 60 und 61, Bus X69 :: Nähe S-Bhf Köpenick

Das Stadttheater Cöpenick spielt Aktionstheater – ohne Bühne, ohne
Dekoration und Licht, dafür mitten unter Zuschauer_innen: Szenen über
Gewalt, Liebe, über das Miteinanderumgehen, dazwischen kurze Diskussionen
über Fragen, die uns alle angehen – zu denen wir eine Haltung beziehen
sollen. „Schweigen ist Zustimmung“ wird anlässlich des 75. Jahrestages der
Köpenicker Blutwoche, bei der hunderte Menschen von den Nazis gefoltert
und zum Teil ermordet wurden, uraufgeführt.

Mehr Infos: www.abso-berlin.tk

Am 1. März gegen rechte Burschenschafter demonstrieren!

Vom 29. Februar bis zum 02. März 2008 findet in Berlin eine Verbandstagung der völkisch orientierten“Deutschen Burschenschaft“ statt. Zu der Veranstaltung unter dem Motto: “Das Selbstverständnis der Deutschen Burschenschaft” werden einige hundert Korporationsstudenten erwartet. Die FSI Geschichte ruft deshalb gemeinsam mit anderen Gruppen auf zu einer Demonstration gegen diese Versammlung der ewig Gestrigen. Die Demo findet statt am 1.März um 19:00 am U-Bahnhof Uhlandstraße.

Einige Infos zur „Deutschen Burschenschaft“ aus einem Text des anarchistischen Info-Café:

Als größter und politisch einflußreichster Dachverband studentischer Verbindungen steht die DB für ein konservatives bis neofaschistisches Spektrum. Die in der DB organisierten Männer sind meist nicht die kahlrasierten, Springerstiefel tragenden und rumpöbelnden Nazihorden. Innerhalb der DB findet sich aber eine ähnliche, wenn nicht gar deckungsgleiche Ideologie wie bei Nazibanden.

Neben einem ausgeprägten Nationalismus, Rassismus und Militarismus ist die DB sexistisch und hat einen elitären Charakter. In führenden Funktionen der DB finden sich meist Vertreter der Burschenschaftlichen
Gemeinschaft, eine rechtsradikale Fraktion innerhalb der DB. Immer wieder werden sogenannte Einzellfälle bekannt, bei welchen Neonazis gemeinsame Veranstaltungen mit Burschenschaften durchführten oder selbst Verbindungsstudenten sind.

Mehr Informationen zu den Protesten, der geplanten Demo-Route und den Hintergründen bieten das AStA-Blog und die Homepage des AStA FU.

Geschichte als Verdrängung – wie der Markt das Erinnern verändert

Nicht nur die Kontroversen um das im September an der FU eingeweihte „Freiheitsdenkmal“ weisen darauf hin, das in Sachen Geschichte an der FU die Dinge auf fatale Weise schief laufen. Auch andere Vorgänge machen immer wieder deutlich: Geschichte ist für das FU-Präsidium nur ein Rohstoff für Imagekampagnen. Im Stile einer Unternehmensgeschichte pickt man sich Erfreuliches heraus und verdrängt alle unangenehmen Facetten.
Seit Jahren schon weigert sich etwa die FU und namentlich Präsident Lenzen, eine Umbenennung des Henry-Ford-Bau zu erwägen, obwohl Ford sich als antisemitischer Publizist betätigte und mit dem Buch „Ihe International Jew“ eine der populärsten zeitgenössischen antisemitischen Schriften herausgab.

Präsident Lenzen beharrt in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf der Behauptung, der Ford-Bau sei nach Ford´s Enkel Henry Ford II. benannt – eine Behauptung, für die es keinerlei Beweise gibt, wie die FSI Geschichte in einem Artikel eindeutig zeigte: Der Ford-Bau wurde niemals eindeutig Henry Ford II. gewidmet – sonst hieße er ja auch „Henry-Ford II.-Bau“ oder “ HenryFord Junior Bau“

Auch hier folgt das Gedenken bzw. die Erinnerungspolitik rein instrumentellen, image-orientierten Kriterien. Obwohl die Vorwürfe gegen Ford seit Jahrzehnten bekannt sind, flüchtet sich die FU in Schutzbehauptungen, um die Vergabe von Geldern durch die Ford-Stiftung nicht zu gefährden. Dennoch wurde die wurde die Auseinandersetzung von der Presse weitgehend ignoriert – obwohl der AStA ausführliche Pressemitteilungen zum Thema herausgegeben hatte. Lediglich die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“ und die „Jüdische Allgemeine“ berichteten seinerzeit über den Vorgang, die Mainstreampresse begnügte sich damit, die Versionen des Präsidiums abzuschreiben.

Auch beim Thema Faschismus und NS-Erbe ist die FU gut im Verdrängen. Nach wie vor werden auf der FU-Homepage die Institute der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft“ in verharmlosender weise als „deutsches Oxford“, als Standort exzellenter Wissenschaft porträtiert. Die Texte der Homepage stammen aus der Im Henry-Ford-Bau zu besichtigenden Ausstellung „Zukunft von Anfang an“, die 204 entworfen wurde und die FU-Geschichte als „Erfolgsgeschichte“ aufbereitet.

Zwar wird in den Texten auch erwähnt, dass in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auch die Nazis ihre Rassen- und Kriegswissenschaft betrieben, jedoch verschwindet diese Problematisierung hinter allerlei Beschönigungen. Es wird etwa der Eindruck erweckt, dass „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“, in dessen Gebäude heute die FU-Politikwissenschaft eingerichtet ist, habe sich erst seit Sommer 1933 mit rassistischer Forschung beschäftigt. Dabei sagt allein der Titel 1926 gegründeten Instituts klar aus, dass hier schon in der Weimarer Republik eine rassistische Forschungstradition etabliert wurde, welche die Nazis fertig vorfanden. Denn „Eugenik“ meint nichts anderes als die Reinigung des „Volkskörpers“ von „kranken“ und unerwünschten „Elementen“, sprich Menschen..

In der FU-Geschichtsschreibung liest sich das so:

„Das Institut entwickelte sich schnell zu dem humangenetischen Zentrum in Deutschland und erwarb sich u.a. durch seine empirische Grundlagenforschung Anerkennung.“

Quelle: http://www.fu-berlin.de/tour/geschichtsausstellung/geschichte/kwi_anthro/index.html

An dieser Stelle hätte es sich angeboten, die heutige Humangenetik auf ihre NS-Wurzeln und unverarbeiteten Prämissen abzuklopfen, oder auch auf die menschenverachtende Kontinuität aktueller eugenischer Argumentationen etwa gegenüber Behinderten hinzuweisen. Stattdessen versucht die FU hier, mit der künstlichen Trennung „vor 1933/nach 1933“ auch noch aus einem Institut, dessen bekanntester Mitarbeiter Joseph Mengele war, symbolisches Kapital zu schlagen.

An diesen zwei Beispielen wird deutlich, was die Kommerzialisierung der Universitäten und ihre Inszenierung als Unternehmen eines zukünftigen Bildungsmarktes bedeutet: eine Geschichtswahrnehmung, die kritisch, hinterfragend ihre Verantwortung wahrnimmt, hat hier nichts zu suchen. Am Umgang der FU mit 1968 und Studierendenprotesten im Allgemeinen ließe sich dieser Vorgang genauso aufzeichnen. Zwar war der Mainstream der Geschichte immer schon Herrschaftsgeschichte, und das ist im Falle der FU nicht anders. Die Vermarktwirtschaftlichung des Erinnerns offenbart jedoch eine ungeahnte Steigerung des Verdrängens.

Denn die Universitäten der Zukunft brauchen eine Erfolggeschichte. Die „Exzellenz“ der eigenen Uni muss schon „von anfang an“, also weit in der Vergangenheit angelegt sein. Und wenn die Vergangenheit nicht dazu passt, dann wird sie eben passend gemacht. Wenn man dazu den Faschismus in Orwellscher Manier schönreden muss, dann wird auch das gemacht – der Markt verlangt es.

Gedenkpolitik, Geschichtsrevisionismus, Erinnerung und Image – genau diese Fragen sind Thema der Podiumsdiskussion „Die Freiheit die ich meine?“ welche die FSI Geschichte am 6.11 gemeinsam mit dem AStA ausrichtet.

Anti-NPD Kundgebung am 27.8.

Wir dokumentieren einen Aufruf zu einer antifaschistischen Kundgebung am nächsten Montag:

Kundgebung gegen NPD-Veranstaltung im Rathaus Treptow

Am 27.August 2007 plant die NPD eine Veranstaltung im großen Saal des
Rathaus Treptow
in der Neuen Krugallee. Die Treptow-Köpenicker
NPD-Fraktion, bestehend aus den Bundes- und Landes-Vorsitzenden Udo Voigt
und Eckart Bräuniger und dem weniger bedeutenden Fritz Liebenow, möchte
erklären “warum Deutschland nationale Politik braucht“. Der Vorstand, wie
auch die Basis der NPD, sind ideologische Nationalsozialisten. Ihr
Politikverständnis ist nicht neu, sondern von der NSDAP abgekupfert.

Der Grund für das nicht immer offene Bekenntnis zum NS, ist die drohende
Strafverfolgung oder, wie vor dem ersten NPD-Verbotsverfahren, die Angst
vor dem Untergang ihrer Partei. Eine NPD-Veranstaltung zum Thema “Warum
Deutschland nationale Politik braucht“ sieht so auch öffentlich anders
aus, als wenn sie intern in ihrer Bundeszentrale in der Seelenbinderstraße
stattfinden würde, bei der viel radikalere Vorstellungen geäußert würden.

Intern benötigt man keine Umschreibungen, man muss nicht um den heißen
Brei herum reden, beim Kampf ums vierte Reich und gegen alles, was sie
nicht als deutsch definieren, ist sich die Partei einig. Am 27.August
können sich die drei Herren nicht so viel Ehrlichkeit erlauben in Bezug
auf ihre Vorbilder von 1933. Dennoch agiert die NPD offen antisemitisch
und rassistisch. Davon konnte man sich in den vergangenen Sitzungen der
Bezirksverordnetenversammlung in Treptow-Köpenick überzeugen.

Wenn Nazis am 27.August im großen Saal des Rathauses eine Veranstaltung
durchführen können, darf der antifaschistische Protest dagegen nicht
fehlen. Wir möchten Sie hiermit zum Gegenprotest einladen.

Für Freiheit und Menschenwürde – Gegen Antisemitismus, Rassismus und die
Verherrlichung des Nationalsozialismus!

27.08.2007 ::: 18:00h ::: Neue Krugallee 4 (Bus 166, 167, 265 / 5min.
Fußweg vom S-Bhf. Plänterwald – S8, S9, S85)

Nur der andere Opa war der Nazi?

Nur der andere Opa war der Nazi? – Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung
Donnerstag, 14. Juni, 19.30 Uhr, Kinzigstr. 9, Berlin-Friedrichshain

Das Wissen um Schuld und Vernichtung scheint nicht im kommunikativen Gedächtnis der meisten Deutschen angekommen. Kaum jemand kennt die Verstrickungen der eigenen Vorfahren in den NS oder will sie kennen. Nicht nur über diesen Widerspruch wollen wir diskutieren, sondern auch darüber, wie wir uns einen kritischeren und produktiveren Umgang mit Vergangenheit vorstellen. Denn vieles, was heute zum Selbstverständnis und positivem Image der erinnerungswilligen Berliner Republik gehört, wurde einst wegen anderer Gründe eingefordert.

Mit: reflect! & AK „Angreifbare Traditionspflege“
(Der AK „Angreifbare Traditionspflege“ „begleitet“ seit 5 Jahren das Treffen der Gebirgsjäger in Mittenwald)
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Eine Veranstaltungsreihe von reflect! – assoziation für politische bildung und gesellschaftsforschung

Weitere Infos unter http://www.reflect-online.org/ und info@reflect-online.org

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt & Aktion Mensch