Archiv der Kategorie 'Internationales'

Histo Kino diesmal Montag satt Donnerstag

Die FSI Geschichte möchte am Donnerstag auch lieber auf der phänomenalen „Halts Maul und Tanz!“ Party der Unabhängigen Linken Listen der FU im SO 36 tanzen und Spaß haben. Deshalb werden wir den Film, der eigentlich für Donnerstag bestimmt war, schon am Montag im Bandito Rosso zeigen.

Es gibt folgendes zu sehen: Für eine andere Welt (Frankreich, 2010, 52min)

Zum Film:
Griechenland, Frankreich, Dänemark, Brasilien oder China – überall auf der Welt regt sich entschiedener Widerstand. Hier der Zorn der Jugendlichen, dort die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, der Aufstand der vom System Ausgeschlossenen.
Nie zuvor war der Geist der Revolte so stark und so verbreitet. Allein im Jahr 2009 wurden weltweit 524 Aufstände gezählt, und fast ein Drittel davon fand in Europa statt. Alle Proteste werden von jungen Menschen getragen, die ihrem Unmut über die Globalisierung Luft machen wollen.

Die Dokumentarfilmer sind nach Griechenland, Dänemark und China gefahren – zu den jungen Akteur_innen, um mit ihnen über ihre Gründe für die Proteste zu reden. Aus ihrer Sicht schildern sie uns die Unruhen 2008 in Griechenland und 2007 in Kopenhagen sowie die Streiks in der „Weltfabrik China“ in Suzhou und Shenzhen 2010. Sie reden über ihr Engagement und ihre Erwartungen und wie sie diese Welt verändern wollen.
Soziologen aus Frankreich und anderen Ländern analysieren diese neuen Unruhen in den verschiedenen Gesellschaftssystemen. Diese kollektiven Wutausbrüche sind alle Ausdruck der Krise in den Zeiten der Globalisierung

MO// 6.2.12.// 20.00 Uhr // Bandito Rosso, Lottumstraße 10a // U Rosenthaler Platz oder U Rosa Luxemburg Platz // Einritt frei

Histo-Tresen: „Wir haben ja keine Ehre hier“ – Infoveranstaltung mit Film: Marginalisierte Geschichte und Mythos des Partisan_innen-Widerstandes in Kärnten/Koroška.

Es geht um „Kärntner Slowen_innen“ zwischen „Heimatverrat“ und Mythos, um Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen.
Der Partisan_innenwiderstand in Österreich wurde überwiegend von dieser slowenischen Minderheit in Kärnten/Koroška (A) getragen und ist auch heute noch wichtiger Teil der Identitätskonstruktion, der sich vom Narrativ der „Pflichterfüllung“ abgrenzt und abgegrenzt – mythologisiert? tradiert wird. Nach einem kurzen Input zu Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus werden Entwicklungen der Geschichtskultur in Kärnten/Koroška nach 1945 zur Diskussion gestellt.
Anschließend wollen wir uns Ausschnitte aus der Sendereihe „Im Brennpunkt“ des ORF ansehen. Darin wurde die Situation der Kärntner Slowen_innen thematisiert. Der Sendung folgte eine Klage wegen Verletzung des Objektivitätsgebotes.

Montag, 04.07., 20 Uhr, Bandito Rosso, Lottumstr. 10a, U-Bhf. Rosenthaler- oder Rosa-Luxemburg-Platz

„Ich bereue mein Leben nicht“ – eine deutsche Kommunistin in der französischen Résistance

Veranstaltungsplakat FSI GeschichteBuchvorstellung und Diskussion am Mittwoch, 4. Mai um 18h in KL 25/134 (Silberlaube, Habelschwerdter Allee 39-45)

Während in Deutschland die Sarrazindebatte tobte, löste in Frankreich der 93jährige Résistance-Veteran Stéphane Hessel mit seinem Ausatz „Empört Euch“ eine landesweite Diskussion über die Notwendigkeit von Widerstand aus. Hessels Aufruf richtete sich explizit an die junge Generation der Prekären. Er erinnert an eine soziale Vision der Résistance, die über den engeren Antifaschismus weit hinausging und bis heute uneingelöst ist.

Diese Vision bewog auch die deutsche Kommunistin Marie-Louise Plener, das sowjetische Exil zu verlassen und sich dem französischen Widerstand anzuschließen. Sie übernahm für die Résistance Aufklärungsarbeit und riskierte mehr als einmal ihr Leben im Kampf gegen Hitler. Nach Kriegsende ging sie zunächst nach Essen, wurde dort jedoch als Kommunistin aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Daraufhin siedelte sie in die SBZ/DDR über, um sich dort mit viel Idealismus am Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu beteiligen. Auch hier wurde sie jedoch enttäuscht: wie zahlreiche andere „Westemigranten“ wurde Marie-Louise Plener diskriminiert und im Beruf degradiert. Gerade wegen ihrer Resistánce-Tätigkeit galt die engagierte Antifaschistin dem Parteiapparat der SED als unzuverlässig.

Ulla Plener, Tochter von Marie-Louise, hat im letzten Jahr unter dem Titel „Ich bereue mein Leben nicht. Marie-Luise Plener-Huber: Die Lebensgeschichte einer Idealistin“ eine umfangreiche Biographie ihrer Mutter veröffentlicht. In einer Doppelrolle als Zeitzeugin und Historikerin stellt sie dieses Werk nun an der Freien Universität Berlin zur Diskussion. Sie berichtet über das Leben einer Kommunistin zwischen Antifaschismus und stalinistischer Repression, über Exil und Widerstand, über die Aufbauphase der DDR, das Engagement als Frau in einer männerdominierten Bewegung und die Widersprüche des „real existierenden Sozialismus“.

Ulla Plener, geboren 1933 in einer Berliner Arbeiterfamilie, wurde nach Machtübernahme der Nazis von ihrer Mutter ins sowjetische Exil gebracht. Sie wuchs dort in einem Kinderheim der internationalen Roten Hilfe in Iwanowo auf, während ihre Mutter für die Résistance kämpfte. Ulla Plener erlebte als Heranwachsende in der Sowjetunion Weltkrieg und Kriegsende am 8. Mai 1945. Im Jahr darauf kehrte sie nach Ostberlin zurück. Von 1951-1956 studierte Sie an der Moskauer Lomonossov-Universität Geschichte. Nach dem Ende ihrer Ausbildung forschte sie als Historikerin an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften der DDR. Sie veröffentlichte zahlreiche Werke zur Geschichte der Arbeiterbewegung und widmet sich seit 1990 insbesondere dem biographischen Blick „von unten“ auf die Basis der sozialistischen Bewegung.

Broschürenvorstellung: „Die finnische Revolution“

Am 15.02. (Dienstag) stellt Wladek Flakin die von ihm geschriebene Broschüre „Als der Nordstern rot wurde: Revolution und Konterrevolution in Finnland 1917/1918″ im Histo-Café vor. Der Vortrag wird auf deutsch gehalten, danach gibt es noch viel Zeit für Diskussionen. Los geht’s um 16h.

Das erste sozialistische Land der Welt? Das müsste jedes Schulkind
wissen. Aber das zweite? Die Frage ist wesentlich schwieriger.
Das „kleine und mutige Finnland“ (Väinö Linna),
Land von HolzfällerInnen und HandydesignerInnen, ist
die richtige Antwort. Schon beim Begriff der „finnischen
Revolution“ werden die meisten an irgendeine technische
Erneuerung von Nokia denken. Doch Finnland hatte eine
eigene Rote Armee!
Vor 93 Jahren, im Januar 1918, nahm die finnische ArbeiterInnenklasse
die Macht in ihre Hände, um Unabhängigkeit
für ihr Land und Gerechtigkeit für seine EinwohnerInnen zu
erkämpfen. Die Bourgeoisie schlug mit voller Kraft zurück
– ob finnisch, schwedisch, russisch oder deutsch, sie hielten
alle zusammen gegen die finnischen ArbeiterInnen – und
ermordeten mindestens 20.000 Rote.
Auch wenn das heutige Finnland ein Vorbild sozialer
Ruhe zu sein scheint, finden sich vereinzelt
Spuren dieser Vergangenheit. Die meisten
FinnInnen, abgesehen von den wenigen
KommunistInnen, reden ungern darüber.
International ist die finnische Revolution auch
unter Linken kaum bekannt. Deswegen geht
diese Broschüre der Frage nach, was genau
passiert ist. Und vor allem stellt sie die Frage:
was können wir als RevolutionärInnen heute
daraus lernen?

Heia Safari? – Auf den Spuren der deutschen Kolonialzeit in Namibia

Namibia ist bei deutschen Tourist_innen ein beliebtes Reiseziel. Wüstenlandschaften und wilde Tiere, wilhelminische Bauten und Bier nach deutschem Reinheitsgebot – das Versprechen von Exotik und Vertrautheit wirkt auf viele verlockend. Dass Namibia zwischen 1884 und 1915 Kolonie des deutschen Kaiserreiches war, wird in diesem Zusammenhang meist positiv verklärt; die fatalen Folgen der Kolonialherrschaft für die afrikanische Bevölkerung werden dabei fast immer verschwiegen. Kaum ein Reiseveranstalter weist darauf hin, in welchem Maß die deutsche Kolonialherrschaft Sozial- und Wirtschaftsordnungen zerstörte. Kaum ein_e Safarireisende_r erfährt etwas über Landraub, Zwangsarbeit und alltägliche Brutalität. Selbst vom Genozid an den Herero und Nama ist oft nur am Rande die Rede.

Dabei sind die Spuren der kolonialen Gewaltherrschaft bis heute sichtbar. Sie finden sich an so alltäglichen Orten wie Friedhöfen, Campingplätzen und Straßenrändern. In einem Reisebericht der etwas anderen Art möchte ich ausgehend von diesen Spuren auf das Ausmaß, aber auch die Folgen der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia näher eingehen und diese dann gemeinsam diskutieren.

Montag, 07.02.2011, 21h, beim Histo-Tresen im Bandito Rosso, Lottumstraße 10a, U-Bhf Rosa-Luxemburg- oder Rosenthaler Platz.

Zwischen Autonomie, möglichen Wandel und Repression – Aktuelles aus Südmexiko


… mit Thomas Zapf von Internationalen Friedensdienst (SIPAZ)

Datum: 14.12.2010
Ort: Meuterei (Reichenberger Strasse 58, U-Bhf Kottbusser Tor oder Görlitzer Park)
Uhrzeit 19.30 Uhr

Mexiko 2010 – im Vorfeld Projektionsfläche für Hoffnung auf sozialen
Wandel und Veränderung. Doch die Realität vieler MexikanerInnen ist
geprägt von Militarisierung, Gewalt und Armut. Der von Präsident
Calderón ausgerufene „Krieg gegen den Drogenhandel“ hat bereits mehr als
28.000 Tote in den letzten vier Jahren gefordert, eine Änderung der
Strategie ist nicht in Sicht. MenschenrechtsverteidigerInnen wurden vom
ehemaligen Innenminister Gómez Monnt als „nützliche Dumme“ des
organisierten Verbrechens bezeichnet. In den südlichen Bundesstaaten
Guerrero, Oaxaca und Chiapas werden manche von ihnen aufgrund ihrer
Arbeit kriminalisiert, bedroht oder angegriffen. (mehr…)

Zapatistischer Abend beim Histotresen – Montag, 29.11.

zapa

Der Histotresen am Montag bietet tolles Programm: um 19 Uhr geht es los mit einem Zapatistischen Abend. Es wird geschichtlichen Background geben, eine Kurzdoku geguckt, Zapatistischer Kaffee geschlürft und in netter Atmosphäre diskutiert. Nach der Veranstaltung gibt es nach Wunsch Reiseberichte aus Chiapas von Menschen, die dort waren. Ansonsten steht dem gewohnten Tresenabend mit Kachelofenatmosphäre, günstigem Bier und Kicker im Anschluss nichts im Wege.

Zur Veranstaltung:

Am 1. Januar 1994 erhob sich in Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos, die EZLN, die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung, um bewaffnet für die Autonomie und Selbstverwaltung der indigenen Bevölkerung zu kämpfen. Sie wandten sich damit direkt gegen die neoliberale Politik des Freihandels, die mit dem Inkrafttreten des NAFTA-Abkommens zwischen den USA, Kanada und Mexiko am gleichen Tag weiter verfestigt werden sollte. Seitdem stellen die autonomen zapatistischen Gemeinden in Chiapas eine Form des Widerstandes dar, der nicht zuletzt durch ihre Sprache, Kunst und mediale Wirkung global Anerkennung erntete.
An diesem Abend wollen wir mit euch die Geschichte, Hintergründe und Perspektiven des zapatistischen Aufstands näher betrachten. Dabei soll es auch um Formen der Selbstorganisation, Probleme und Konflikte rund um die Situation in Südmexiko gehen. Wir wollen mit euch herausfinden, wie im Hochland von Chiapas und im lakandonischen Urwald Geschichte gemacht wird, und, nicht zuletzt, was es mit dem zapatistischen Kaffee auf sich hat.

/ Montag / 29.11. / 19 Uhr /

/ Bandito Rosso /

/ Lottumstr.10a / U Rosa-Luxemburg-Platz oder Rosenthaler Platz /

///

Der Histotresen findet jeden 1., 3. und 5. Montag im Monat im Bandito Rosso statt.

Stückwerk oder Sprengstoff?

Politikwissenschaft zwischen Legitimation und Kritik des Bestehenden am Beispiel der Internationalen Beziehungen

Mi, 23.6. – 18 Uhr -Ihnestr.21 – HS A

Eine kritische Perspektive auf die Politikwissenschaft zeigt, dass diese
grundsätzlich in bestehende Verhältnisse eingebunden ist und spezifischen
Interessen folgt. Wie sich Politikwissenschaft zu gesellschaftlichen
Verhältnissen positioniert und welche Folgen dies für Forschung und
Ergebnisse hat, gilt es sowohl für Sozialwissenschaftler_innen als auch
Politikinteressierte in den Blick zu nehmen: Aus welchem Interesse heraus
wird mit welchen Zielen die Analyse von Politik und Gesellschaft berieben,
welche Fragen gestellt oder ausgeblendet, welche Befunde geliefert oder
verdeckt, welche Funktionen erfüllt und welche politischen Konsequenzen
forciert? Werden in einer affirmativen Manier etwa bestehende Macht- und
Herrschaftsverhältnisse legitimiert oder gar Herrschaftsstrukturen,
Unterdrückung, Ausbeutung oder Diskriminierung (re-)produziert? Welche
Perspektiven kritischer Wissenschaft hinterfragen die bestehenden
Verhältnisse oder bringen diese gar zum Tanzen?
Diese Fragen nach einer Kritik der Politikwissenschaft und kritischen
Politikwissenschaft sollen am Beispiel der Internationalen Beziehungen auf
dem Feld der Entwicklungspolitik diskutiert werden.

mit Jenny Simon
organisiert von der FSI OSI

Unsere Opfer zählen nicht…

Wann immer der Zweite Weltkrieg, egal ob in Form von Gedenkfeierlichkeiten, im Schulunterricht oder im Rahmen der Uni, thematisiert wird, steht meist Europa im Mittelpunkt der Betrachtungen. Kaum wird sich mit der Rolle der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg beschäftigt oder nach den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Dritte Welt gefragt. Im Geschichts-und Erinnerungsdiskurs der in Europa um den Zweiten Weltkrieg gesponnen wird, findet die Dritte Welt nicht wirklich Platz.
Vor diesem Hintergrund wird es am 27. 05. 09 einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ geben. Der Journalist Karl Rössel, der maßgeblich an der Entstehung des gleichnamigen Buches mitwirkte, wird dafür am FMI zu Gast sein. Die Veranstaltung findet am Mittwoch den 27.5.09, 16-18 Uhr im Raum A124 am FMI statt.
Wir freuen uns schon auf eine interessante Veranstaltung, die den Rahmen der sonst so eng gesteckten Grenzen einer Eurozentristischen Geschichtsschreibung erheblich ausdehnt sowie bereichert und hoffen viele von euch am 27.5 zu sehen.

Vorträge zu Kolumbien und Venezuela abgesagt – stattdessen Input und Diskussion zur „Festung Europa“ und ihren Grenzen

Eigentlich wollte die FSI Geschichte im Rahmen der beiden für Montag, den 2. Februar, angekündigten Vorträge „State and Conflict in Colombia“ und „Different Visions of the Construction of the Venezuelan Nation“ die Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit zwei spannenden und politisch hochaktuellen Kapiteln lateinamerikanischer Geschichte bieten. Nicht nur die Thematik an sich machte dabei den Reiz der geplanten Veranstaltung aus, sondern auch die spezifische nicht-europäische Perspektive der beiden Referent_innen. Doch die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen der Europäischen Union machten uns einen Strich durch die Rechnung. Maribel Avellaneda Nievas, die Referentin zum Thema Gewalt in Kolumbien, die gemeinsam mit dem zweiten Referenten extra aus Spanien anreisen wollte, wurde direkt am Flughafen Schönefeld festgenommen und nach Spanien „zurückgeschoben“, wie es im Verwaltungsdeutschen heißt.

Die kolumbianische Staatsangehörige, die im spanischen Castellón de la Plata Lateinamerikanischen Geschichte im Masterstudiengang studiert, wurde letzen Donnerstag im Rahmen einer stichprobenartigen Überprüfung festgenommen und am Freitag Morgen nach Spanien zurückgeschoben. Die deutschen Grenzbeamt_innen hatten ihr Studienvisum nicht für ausreichend erklärt, um in die BRD einzureisen. Es berechtige sie nur zur einmaligen Einreise in einen Schengenstaat und dies sei mit der Einreise nach Spanien bereits erfolgt. Sie habe also versucht „illegal“ nach Deutschland einzureisen und somit eine Straftat begangen. Deshalb müsse sie die Bundesrepublik umgehend wieder verlassen.

Formaljuristisch mögen die beschriebenen Vorgänge dem offiziellen Einreiseverfahren entsprechen. Die Studentin hatte sich jedoch im Vorfeld bei der kolumbianischen Botschaft in Spanien und den Beamt_innen der spanischen Grenzpolizei erkundigt, ob sie mit ihrem Visum nach Deutschland reisen könne und stets die Antwort erhalten, dass dies problemlos möglich wäre, da auf Grundlage des Schengenabkommens keinerlei Kontrollen stattfinden würden und sie sich frei bewegen könne. Als Weiße hätte sie wohl auch nicht mit Problemen zu rechnen gehabt. Bei den stichprobenartigen Kontrollen am deutschen Flughafen jedoch wurden zielgerichtet gerade sie, ihr venezuelanischer Begleiter und ein weiterer Mann mit schwarzer Hautfarbe ausgewählt. Die Beamt_innen stellten daraufhin fest, dass ihr spezielles Visum trotz gegenteiliger Auskünfte der spanischen Behörden sie nicht zu einer Einreise berechtige. Nach einer Nacht bürokratischer Formalitäten, rassistischer Bemerkungen und ohne eingehender Aufklärung über ihre Rechte wurde sie schließlich am Freitag, dem 30. Januar gezwungen, nach Spanien zurückfliegen. Die Kosten für eine solche Ab- bzw. Zurückschiebung sind dabei selbstverständlich von den Betroffenen zu zahlen.

Nach den dramatischen Ereignissen seiner Ankunft in Deutschland kehrte auch der zweite Referent unverzüglich nach Spanien zurück.

Bereits vor einigen Monaten hatte ein ähnlicher Fall für Aufsehen gesorgt. Damals war brasilianischen Staatsangehörigen, die in Lissabon studierten, bei dem Versuch, eine touristische Reise nach Deutschland zu unternehmen, die Einreise verweigert worden. Statt EU-Reisefreiheit im Rahmen des Schengenabkommens zu genießen, wurden auch sie zurückgeschoben.

Die FSI Geschichte möchte den geschilderten Sachverhalt zum Anlasse nehmen, in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung den vorliegenden Fall etwas detailierter darzustellen und davon ausgehend die Frage nach Notwendigkeit und Bedeutung nationaler Grenzen im Allgemeinen zu stellen – denn auch wenn Grenzpolizist_innen freundlicher wären, Asyl- und Aufenthaltsbestimmungen leichter zu verstehen und weniger bürokratisch wären und niemensch Fehlinformationen verbreiten würde, bliebe dennoch das absurde Konzept einer sämtliche Lebenschancen bestimmenden, konstruierten nationalstaatlichen Trennlinie zwischen Menschen, die schlicht und ergreifend zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten als Kinder verschiedener Eltern geboren wurden.

INFO- und DISKUSSIONSVERANSTALTUNG am Mo., dem 02.02. um 12 Uhr
Hs B, FMI (Koserstr. 20)