Archiv der Kategorie 'Geschichte der Arbeiterbewegung'

Wissenschaft und Kritik: „Plädoyer für eine neue Geschichtsschreibung der Arbeit“

Diesen Donnerstag, den 24.11.2011, 18.00 Uhr ist es soweit: Die Veranstaltung der FSI Geschichte in der Reihe „Wissenschaft und Kritik“ steht an. Diese trägt den Titel: Plädoyer für eine neue Geschichtsschreibung der Arbeit. Als Referent wird Marcel van der Linden sprechen, Forschungsdirektor des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte und Professor für die Geschichte der sozialen Bewegungen in Amsterdam.

Zum Inhalt der Veranstaltung: Die ”Globalisierung” der Arbeitsgeschichte bedeutet nicht nur eine enorme geographische Erweiterung des Wissenschaftsgebietes. Die Entwicklungen in verschiedenen Teilen der Welt spielen sich ja nicht losgelöst von einander ab. Das hat auch mit den neuen weltweiten Proletarisierungstendenzen zu tun, mit neuen Formen von Arbeiter_innenprotest und Arbeiter_innenbewegungen; zugleich ist das Bewusstsein des weltweiten Zusammenhangs von Prozessen intensiver geworden, die Erkenntnis, dass die Welt ein Ganzes bildet, trotz aller Gegensätze. Diese ”Globalisierung” ruft nach einem neuen Typ von Geschichtsschreibung, der die Ergebnisse der ”alten”, vor allem nordatlantischen Arbeitergeschichte in sich aufnimmt und zugleich in einem neuen (globalen) Rahmen einordnet. Es handelt sich um ein ausserordentlich ambitiöses Projekt, das sich noch in einem frühen Stadium befindet. Der Vortrag wird auf einige Herausforderungen eingehen, die in den folgenden Jahren auf uns zukommen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Wiederbelebung der Arbeitsgeschichte in Europa.


Veranstaltungsort: Koserstraße 20 (Friedrich-Meinecke Institut), HS A, 24.11. 18.00 Uhr

Für Getränke ist gesorgt, diese sind gegen eine kleine Spende erhältlich.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Wir freuen uns auf euch und auf eine interessante Veranstaltung
FSI Geschichte

Weitere Infos zur gesamten „Wissenschaft und Kritik“-Reihe findet ihr unter: www.wissenschaft-und-kritik.de.vu

Der Marxismus – Wissenschaft, Bewegung oder Weltanschauung? Buchvorstellung und Diskussion


Eine weitere interessante Veranstaltung, die wir euch empfehlen möchten, gibt es ebenfalls am Mittwoch den 02.11. um 18 Uhr im Seminarzentrum Raum L 113, (Silberlaube, Otto-von-Simson-Str. 26) unter dem Titel: Der Marxismus – Wissenschaft, Bewegung oder Weltanschauung? Buchvorstellung und Diskussion. Die Veranstaltung wird organisiert von der Hochschulpolitischen Linken und dem AStA FU.

Zur Veranstaltung:

Nicht nur auf dem Straßenschild am Eingang der Neuköllner Karl-Marx-Straße wird Marx bis heute als “Begründer des Wissenschaftlichen Sozialismus” vorgestellt. Seine Theorie gilt als Übergang von einer politisch-utopischen hin zur historisch-ökonomischen Gesellschaftskritik. Selbst Westberliner Sozialdemokraten, bis heute zuständig für die Neuköllner Straßenbeschilderung, erkennen Marx in diesem Sinne als Philosoph und Wissenschaftler an.

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Histo-Tresen: WAS IST WAS – Anarchismus

In Kooperation mit der Anarchistischen Föderation Berlin (AFB), der Anarcho-Syndikalistischen Jugend Berlin (ASJ) und dem Ya-Basta!-Netzwerk präsentiert die FSI Geschichte (proudly!) beim Histo-Tresen am Montag, den 20.06., ab 20 Uhr eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Anarchismus“. Dabei wollen wir der Frage nachgehen, wo die Idee des Anarchismus herkommt, welche wichtigen Strömungen es gab und gibt und welche aktuellen Perspektiven und internationale Relevanz anarchistische Ideen heute haben.

In diesem Sinne: Jetzt oder nie, ANARCHIE!

#Montag, 20.06.# 20 Uhr # Bandito Rosso# Lottumstraße 10a# U-Bhf Rosenthaler oder U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz#

„Ich bereue mein Leben nicht – eine deutsche Kommunistin in der französischen Résistance“ Buchvorstellung und Diskussion mit Autorin Ulla Plener.

Am 4. Mai dieses Jahres organisierte die Fachschaftsinitiative in der Silberlaube eine Lesung mit der Autorin Ulla Plener. Etwa 40 Leute besuchten die Veranstaltung und lauschten gebannt einer Mischung aus historischem Vortrag und Zeitzeugenbericht.

„Die Bundeszentrale für politische Bildung hat die Publikation über Frauen aus der Resistance abgelehnt – zu speziell.“ Mit diesen Worten leitet die Berliner Historikerin Ulla Plener die Veranstaltung ein und tauscht vielsagende Blicke mit ihrer Tochter Anke und ihrer Enkelin Leonora, die zu ihrer Linken sitzen. Tochter, Enkelin und Urenkelin der Widerstandskämpferin Marie-Luise Plener-Huber stellen gemeinsam die Biographie ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter vor: Ein Projekt, das vier Generationen oder 100 Jahre umfasst und viel Bewunderung bei den Zuhörer_innen hervorruft. Das Projekt soll aber nicht nur an Marie-Luise Plener-Huber erinnern, sondern für die Schicksale von insgesamt 132 Frauen sprechen, die unter ähnlichen Umständen in der französischen Résistance ihr Leben riskiert oder geopfert haben. Deren Schicksale hat Ulla Plena schon 2005 eine anderen Publikation mit dem Titel „Frauen aus Deutschland in der französischen Résistance“ recherchier . Thema heute ist jedoch die Geschichte von Marie-Louise Plener, ihrer Mutter.

1909 wurde Marie-Luise in Essen geboren. Beeinflusst durch den ersten Weltkrieg und ihre Brüder, die schon früh im Kommunistischen Jugendverband tätig waren, trat sie mit 28 Jahren in die KPD ein und engagierte sich im Frauenausschuss und der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition.

Zusammen mit ihrem Mann Kurt Plener und ihrer neugeborenen Tochter Ulla musste sie 1933 Berlin verlassen. Gegen Kurt lag ein Haftbefehl vor, da er in einer kommunistischen Sportzeitschrift einen Artikel veröffentlicht hatte, der erklärte „wie man sich sportlich ertüchtigen kann, um gegen Nazis wehrhaft zu sein“.

Marie-Luise gelangte über Kopenhagen nach Moskau, wo sie an der „Kommunisstischen Universität für nationale Minderheiten des Westens“ neben Allgemeinbildung vor allem eine politische Ausbildung erwarb. In Deutschland hatte sie nur die Volksschule (heute Hauptschule genannt) besuchen können. Im Juni 1939 meldete sich Marie-Luise freiwillig für einen Einsatz als Kurierin in Frankreich, wo sich derzeit auch ihr Mann Kurt befand. Ulla Plener betont mehrmals den Aspekt der Freiwilligkeit, der das Engagement ihrer Mutter charakterisierte.

Ulla Plener selbst verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit in einem Kinderheim in der Textilstadt Iwanowo nördlich von Moskau, zusammen mit Kindern 34 unterschiedlicher Nationen, deren Eltern ebenfalls politisch aktiv waren. Ulla erinnert sich, dass sie sich in diesem Heim sehr wohl gefühlt hat und das die Kinder dort sehr viel über die Nazi-Verbrechen wussten. Viele waren selbst aus den von Deutschland besetzten Gebieten geflohen und hatten dort traumatisches Erfahrungen gemacht, andere erfuhren über Verwandte in der Roten Armee schon früh über jene Verbrechen der Wehrmacht, die in Deutschland bis in die 1990er Jahre verdrängt wurden.
Das Heim wurde von der Internationalen Roten Hilfe betrieben und genoss daher einige Privilegien, wie zum Beispiel die Patenschaft zu mehreren örtlichen Textilfabriken, welche das Heim unterstützten. Im Heim habe es zwar wenig aber immerhin regelmäßig Essen gegeben. Die Kinder hätten Hunger gehabt, aber niemand habe gehungert, obwohl in der Sowjetunion während des Krieges eine allgemeine Lebensmittelknappheit herrschte.

Derweil studierte Marie-Luise in Paris einige Zeit an der Sorbonne und knüpfte wichtige Kontakte, bis sie nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht in ein Internierungslager gebracht wurde.
„Die Geschichte der spektakulären Flucht zusammen mit einer Gruppe von Frauen aus dem Internierungslager nach Toulouse hat mir meine Großmutter sehr oft erzählt“, berichtet Anke Plener.
Leider ist die Zeit zu knapp und wir springen zu einem Textauszug über die sogenannte „Mädelarbeit“, den Leonore Plener, Marie-Luises Urenkelin, vorliest. Die Frauen der Résistance mischten sich unter die Besatzungssoldaten, um militärisch wichtige Informationen zu erhalten, verteilten Flugblätter, erledigten Kurierdienste, schmuggelten Waffen, hörten den Londoner und Moskauer Rundfunk ab und halfen Franzosen, die von der Deportation bedroht waren, unterzutauchen.
„Travail allemand, t.a., deutsche Arbeit“, ergänzt Ulla und wird sofort von ihrer Enkelin Leonora in ihrer französischen Aussprache korrigiert, die schmunzelnd hinzufügt, dass sich ein gewisser „resoluter“ Charakterzug durch die ganze Familie ziehe. Die drei Frauen betonen, wie nachhaltig Marie-Luises Engagement sie geprägt habe, wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise.

Der Textauszug macht die Belastung und die Angst der Widerstandskämpferinnen deutlich. Trotz ihres lebensgefährlichen Engagements wurde Marie-Luise später in der DDR als „Westemigrantin“ benachteiligt.

„Wir haben alle unsere Geschichte. Ein jeder von uns wurzelt tief in der Vergangenheit“ schreibt Peter Weiss. Ulla legt uns nahe, dessen großartiges Werk „Die Ästhetik des Widerstandes“ so schnell wie möglich zu lesen. Weiterhin schlägt sie vor, dass wir uns mit historischen Arbeiten am Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung (gibt es jetzt endlich in der Bibliothek!) beteiligen sollten: dort werden immer junge Autorinnen und Autoren mit eigenen Beiträgen zur Geschichte von Arbeiterbewegung und anderen sozialen Bewegungen gesucht. Im offiziellen Curriculum der Universitäten spielt dieses Thema kaum eine Rolle.

Den Einstieg dazu müssen sich interessierte also selbst erarbeiten. Als Auftakt hierzu wäre neben Peter Weiss auch die Lektüre der Biographie „Ich bereue mein Leben nicht“ über eine deutsche Kommunistin in der französischen Résistance von Ulla Plener eine gute Wahl….

Revolution in Mitte – Eine Stadtführung auf den Spuren der Novemberrevolution

revmitte

Samstag 20.11.2010 // Anhalter Bahnhof // 14.00 Uhr

Rote Fahnen auf dem Reichstag, im Abgeordnetenhaus tagt der Arbeiterrat, Jubelnde Massen am Anhalter Bahnhof, Feuergefechte zwischen roten Matrosen und der Konterrevolution unter den Linden…

Was bizarr klingt, hat sich vor über 90 Jahren tatsächlich so abgespielt. Der Bezirk Berlin-Mitte ist heute geprägt durch Latte Macchiato, Gentrification und Glaspaläste – ein Ort wo politische und ökonomische Macht demonstrativ zur Schau gestellt werden. Hier befinden sich Gebäude wie der Reichstag und das Berliner Abgeordnetenhaus, Symbole der Berliner Republik und ihres neuen Selbstbewusstseins. Nicht weit entfernt am Potsdamer Platz bestimmen die Stahl- und Glasfassaden großer Konzernzentralen den öffentlichen Raum, geschichtslose Architektur geschaffen für Kommerz und Konsum.
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Programm im Histo-Café vom 03.03.-11.03.

Histo-Café bleibt! – Wochenprogramm von Mi., 03. März bis Do., 11. März

Trotz weiterhin bestehender akuter Räumungsgefahr befindet Raum A 111 sich noch immer in studentischer Selbstverwaltung. Damit das auch so bleibt, ist es auch in den nächsten Tagen und Wochen nötig,dass möglichst viele Leute vor Ort sind, um dieses Stück studentischer Infrastruktur gemeinsam zu verteidigen. Damit das auch etwas Spaß macht, haben wir ein kleines Programm für euch vorbereitet. Es wird in den nächsten Tagen regelmäßig aktualisiert und erweitert. Also schaut am besten – wenn ihr das nicht sowieso schon tut – immer mal wieder auf unserem Blog vobei!
Wenn ihr selbst Lust habt, einen Workshop anzubieten, einen Vortrag zu halten, einen Film zu zeigen, ein besonders großartiges Spiel mitzubringen, dann schreibt uns einfach: wir freuen uns über eure Ideen!

Alle Veranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Räumen A 111 und A 112 am FMI, Koserstr. 20 statt. Der Eintritt ist selbstverständlich frei. Wenn ihr selbst Speisen und Getränke mitbringt, wär das großartig – dann schleppen wir uns nicht zu Tode.

Mittwoch, 03. März 18 Uhr
Film: „L.A. Crash“ (USA 2004)

Anthony und Peter verlassen ein Café in einem der luxuriösen Vororte von Los Angeles. Sie philosophieren darüber, dass hier eigentlich sie als Schwarze Angst vor der weißen Bevölkerung haben müssten – und nicht umgekehrt. Doch dann kippt die Szenerie. Sie ziehen ihre Waffen und stehlen das Auto von Staatsanwalt Richard Cabot und dessen Frau Jean. Für Richard in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Einerseits stehen demnächst Neuwahlen an und er möchte die Schwarze Bevölkerung nicht gegen sich aufbringen, andererseits ist seine ohnehin schon verängstigte Frau fortan vollkommen verstört. Daniel schiebt bei einem Schlüsseldienst eine Nachtschicht nach der anderen, damit seine kleine Tochter in einer der ruhigeren, aber eben auch teureren Gegenden aufwachsen kann. Der kleine Laden des Iraners Farhad wurde nun schon mehrfach überfallen. Um sich und seine Frau schützen zu können, schafft er sich, gegen den Willen seiner Tochter Dorri eine Schusswaffe an. Der Streifenpolizist Ryan findet nachts wegen seines schwerkranken Vaters keinen Schlaf mehr. Im Dienst überschreitet er regelmäßig die Grenzen. Vor den Augen des Schwarzen TV-Regisseurs Cameron betatscht er dessen Freundin Christine. Sein junger, ehrgeiziger Partner zeigt ihn daraufhin bei ihrem Vorgesetzten an. Und dann wären da noch Graham und Ria, die neben ihren persönlichen Problemen in einem Fall ermitteln, der sich schnell als überaus politisch entpuppt.
L.A. Crash ist ein Episodenfilm über Rassismus und Vorurteile, die in verschiedensten Spielarten die Konstante bilden, die alle Handlungsstränge miteinander verknüpft. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie vielschichtig und vor allem widersprüchlich Identitäten konstruiert sind und welche Wirkmächtigkeit verschiedensten Rassismen auch heute noch innewohnt.

Donnerstag, 04. März 18 Uhr
--- ENTFÄLLT WEGEN KRANKHEIT --- WIRD ABER NACHGEHOLT ---
Workshop: ‚Jeder denkende Jude wird Sozialist‘ – Werner Scholem und die Suche nach der Revolution – mit Ralf Hoffrogge

In diesem kurzen Workshop wird Ralf Hoffrogge, Doktorand an der Universität Potsdam, sein Promotionsprojekt zur Biographie des KPD-Politikers Werner Scholem (1895-1940) vorstellen. Werner Scholem entstammte einer bürgerlichen Berliner Familie, rebellierte schon früh gegen den autoritären Vater und entschied sich nach einer Zeit des Schwankens zwischen Zionismus und Sozialismus schließlich für die Arbeiterbewegung. In der Novemberrevolution Mitglied eines Hannoveraner Arbeiterrates ging er später zur KPD und wurde dort führendere Kopf des linken Flügels, bevor er 1925 wegen seiner Opposition gegen Stalin aus der Partei ausgeschlossen wurde. Nach dem Reichstagsbrand wurder er als angeblicher KPD-Spion verhaftet, verbrachte mehrere Monate in Schutzhaft und wurde dann trotz eines Freispruches des NS-Volksgerichtshofes für mehrere Jahre in verschiedenen KZs festgehalten. Im Juli 1940 wurde er im KZ Buchenwald von einem Wächter ermordet.
Scholems Biographie ist exemplarisch für viele gescheiterte Entwicklungen der deutschen Geschichte im 20ten Jahrhundert: der erste Weltkrieg, die gescheiterte Revolution 1918, die Autoritäre Wende in der KPD und schließlich das Versagen der Arbeiterbewegung vor dem Faschismus. Als „Ultralinker“ versuchte Scholem stets, den Gordischen Knoten der Geschichte auf revolutionärem Wege zu zerschlagen, scheiterte aber. Sein persönliches Scheitern ist gleichzeitig das Scheitern einer Bewegung, eine Geschichte, die für heute politisch Aktive einiges an Diskussionsstoff bietet.
Der Workshop besteht aus einem Kurzen Referat (30 Min.), danach ist Raum für Diskussion – sowohl inhaltlich, aber auch zu Fragen von Quellen und Methoden und zum geschichtswissenschaftlichen Arbeiten an sich.

Freitag, 05. März ab 14 Uhr
Film: „Shoa“ (F 1985)

Regisseur Claude Lanzmann verbrachte elf Jahre damit, sowohl Opfer als auch Täter_innen ausfindig zu machen und sie zum Reden zu bringen, ihnen Fragen zu stellen, mit denen sie nicht konfrontiert werden wollten: Wenn sich ehemalige Soldaten weigerten, vor der Kamera zu reden, dann filmte Lanzmann eben heimlich; wenn Menschen kurz davor waren, zusammenzubrechen und keine Fragen mehr beantworten konnten, dann fragte Lanzmann trotzdem.
Shoah erzählt die Geschichte des Mordes an den europäischen Juden und Jüdinnen , jedoch nicht abstrakt und chronologisch, sondern aus der konkreten Perspektive beteiligter Personen als gewaltiger Epos von Zeitzeug_innen-Interviews.
Wir zeigen den Film in kompletter Länge (540 min!), also bringt viel Zeit und vielleicht auch etwas Verpflegung mit. Natürlich könnt ihr gerne auch später dazustoßen.

Samstag, 06. März ab 18 Uhr
Film: „Harold and Maude“ (USA 1971)

Der 18-jährige Harold wohnt gemeinsam mit seiner wohlhabenden, oberflächlichen Mutter in einer Villa. Harold ist vom Tod fasziniert und kunstvoll insszenierte Selbstmorde stellen eines seiner liebsten Hobbys dar. Außerdem fühlt er sich zu Friedhöfen und Beerdigungen hingezogen. Bei diesen Besuchen begegnet er mehrmals Maude, einer 79-jährigen Frau, mit der er Freundschaft schließt. Maude ist ein Gegenpol zu Harold: unkonventionell, energisch, impulsiv und lebensfroh. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere fühlen Harold und Maude sich voneinander angezogen und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Gleichzeitig versucht Harolds Mutter, ihn über eine Heiratsagentur mit jungen Frauen zu verkuppeln. Harolds Selbstmord-Inszenierungen vergraulen die Kandidatinnen jedoch ein ums andere Mal. Schließlich gesteht er seiner Mutter seine Liebe zu Maude und kündigt an, sie zu heiraten …

Sonntag, 07. März ab 18 Uhr
Film: „Transamerica“ (USA 2005)

Bree, eine konservative Trans-Frau, lebt in einem Armenviertel in Los Angeles. Sie hat zwei Jobs und spart jeden Cent, den sie verdient, für den letzten operativen Eingriff, der aus ihr endgültig auch äußerlich eine Frau machen soll. Doch nur wenige Tage davor erhält sie überraschend einen Anruf aus New York. Es ist Toby, ein in Jugendhaft einsitzender 17-jähriger Teenager, der seinen Vater sucht. Schnell wird Bree klar, dass sie durch eine einmalige Affäre, die sie in ihrer Jugend, damals noch als Stanley, hatte, einen Sohn in die Welt gesetzt hat. Bree will von dem Jungen nichts wissen, doch ihre Therapeutin verweigert ihr die Einwilligung zur Operation, solange sie sich nicht mit ihrem Sohn getroffen hat …

Montag, 08. März „Internationaler Frauentag“ab 18 Uhr
Workshop zu Frauen- Geschlechtergeschichte und dazu, warum es am Frauentag nicht ausschließlich um „Frauen“ geht …

(weitere Infos folgen)

im Anschluss
Film: „Football Under Cover“ (D 2005)

Der Dokumentarfilm zeigt, wie zum ersten Mal in der Geschichte der Islamischen Republik Iran die iranische Frauennationalmannschaft im eigenen Land in einem Stadion vor Zuschauerinnen spielt: ein Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl aus Berlin Kreuzberg. Im ersten Teil des Films werden die beiden Mannschaften, das Kreuzberger Fußball-Team BSV Al-Dersimspor und die iranische Frauennationalmannschaft vorgestellt, während der zweite Teil das Eintreffen der deutschen Mannschaft im Iran und das Zusammentreffen beider Teams porträtiert.

Dienstag, 09. März ab 18 Uhr
Workshop: „Theorie, Praxis und Utopie offener Räume“ mit Aktivist_innen der Villa-BEL-Initiative

Aus gegebenem Anlass möchten wir in Zusammenarbeit mit der Villa-BEL-Initiative nach einem Input über das Projekt „Zwille“ an der TU, gemeinsam darüber diskutieren, was offene Räume eigentlich sind, wie diese aussehen können und welche Probleme es auf dem Weg zu dieser Utopie gibt.

Mittwoch, 10. März ab 18 Uhr:
„Noche zapatista“

Was wäre das Histo-Café ohne seinen zapatistischen Fair-Trade-Kaffee? Was es mit der zapatistischen Bewegung genau auf sich hat, welche aktuellen Entwicklungen und Ereignisse es in Chiapas gibt und was das alles mit Autobahnen, Subcommandante Marcos und der Mexikanischen Revolution zu tun hat, wollen wir an diesem Abend gemeinsam herausfinden. Neben kurzen Inputs verschiedener Referent_innen werden wir gemeinsam Fotos und evtl. auch kürzere Dokus schauen und dabei natürlich genüßlich Kaffee schlürfen. Kommt vorbei!

Lesung und Buchvorstellung zur Novemberrevolution 1918/1919

Richard Müller – der Mann hinter der Novemberrevolution
18.11.2008 – 19 Uhr
im „Baiz“ (Ecke Torstr/Christinenstr, U8 Rosenthaler Platz oder U2 Rosa Luxemburg Platz)

Soldatenräte tagen im Reichstag, Arbeiterräte regieren im Abgeordnetenhaus – vor 90 Jahren war genau das Realität in Berlin. Eine sozialistische Rätebewegung hatte den Kaiser gestürzt und das Ende des ersten Weltkrieges erzwungen.
Einer der führenden Köpfe dieser Bewegung war Richard Müller. Seit 1914 im Widerstand gegen den Krieg aktiv, organisierte er mit seiner Gruppe der „Revolutionären Betriebsobleute“ Massenstreiks in Rüstungsbetrieben und bereitete die Novemberrevolution vor. Nach dem 9. November 1918 übernahm Müller den Vorsitz des Berliner Vollzugsrates der Räte. Durchsetzen sollten sich freilich andere: Durch ein Bündnis aus Sozialdemokratie und Armeeführung wurde die Rätebewegung unterdrückt und ihre Strukturen zerschlagen.
Heute sind Müller und seine Genossen vergessen: sie wehrten sich gegen den Reformismus der SPD, aber auch gegen den autoritären Kurs der KPD. Im Kalten Krieg der Erinnerung wurden sie daher in BRD und DDR gleichermaßen verdrängt.

Ralf Hoffrogge stellt die von ihm verfasste Biographie Richard Müllers vor und gibt Gelegenheit zur Diskussion über Revolution und Rätebewegung 1914-1921.

Müller Buchcover

Mehr zum Buch erfahrt ihr hier.

Revolution in Mitte – Eine Stadtführung auf den Spuren der Novemberrevolution (2.11.08)

Ein Veranstaltungstip der FSI Geschichte zum Herbstanfang, für Alt- und Neuberliner:

Revolution in Mitte – Eine Stadtführung auf den Spuren der Novemberrevolution

Rote Fahnen auf dem Reichstag, ein Arbeiterrat tagt im Abgeordnetenhaus? Jubelnde Arbeitermassen am Anhalter Bahnhof, Feuergefechte zwischen roten Matrosen und der Konterrevolution unter den Linden? Was heute seltsam klingt, hat sich vor 90 Jahren tatsächlich so abgespielt. Gebäude wie Reichstag und Abgeordnetenhaus sind heute wieder Orte der Macht, denen man ihr revolutionäres Zwischenspiel aus dem November 1918 nicht ansieht, womöglich auch nicht ansehen soll.
Die Stadtführung, geleitet vom Historiker Ralf Hoffrogge, führt an einige dieser Orte in Berlin-Mitte und informiert über Ursachen, Abläufe und Hintergründe der Ereignisse 1918/1919.

Stadtrundgang:

2.11.2008, 12 – 14 Uhr
Treffpunkt S-Bhf Anhalter Bahnhof, an der Ruine
Kosten: 3 Euro

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg.

Gedenkveranstaltung: 75. Jahrestag der Köpenicker Blutwoche

Ein Veranstaltungshinweis in sachen Antifa aus Köpenick:

21. Juni 2008 – 75. Jahrestag der Köpenicker Blutwoche

Im Juni 1933 wütete in Köpenick der faschistische Mob. Mehr als 500
Menschen wurden von der SA verschleppt, gefoltert, zu Krüppeln geschlagen.
Dutzende wurden ermordet oder starben an den Folgen der Mißhandlungen. Mit
diesem blutigen Terror gegen politische Gegner_innen festigten die
Nationalsozialist_innen ihr 12-jähriges Regime. Mit einem feierlichen
Gedenkakt wird den Opfern des deutschen Faschismus gedacht.
eine Veranstaltung des Bundes der Antifaschist_innen Köpenick e.V. und der
BVV Treptow-Köpenick

Programm:

10:00 Uhr :: Rathaus Köpenick
Gedenkveranstaltung der BVV und des Bezirksamtes

12:00 Uhr :: Freiheit 14
Ehrung für das Pfarrer-Ehepaar Ratsch, das in schwerer Zeit Zuflucht und
Hilfe für Verfolgte bot

12:45 Uhr :: Denkmal für die Opfer der Köpenicker Blutwoche auf dem Platz
des 23. April
Gedenkveranstaltung der BVV Treptow-Köpenick und der VVN-BdA Köpenick e.V.
Angehörige von Opfern und NS-Verfolgten sprechen und musizieren: MdB Dr.
Gregor Gysi, Prof. Dr. Eva Böhm, Jürgen Hilbrecht, Karsten Troyke
Junge Antifaschist_innen erinnern an die Toten

14:00 Uhr :: Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, Puchanstraße 12
Eröffnung der neu gestalteten Ausstellung durch das Bezirksamt

15:30 Uhr :: Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, Puchanstraße 12
„Schweigen ist Zustimmung“, Jugendprogramm des „Stadttheater Cöpenick“

Infos auf www.abso-berlin.tk und bda-koepenick.de

Kritische historische Fachzeitschrift bleibt erhalten

Wenn im Jahr 2008 das Heft mit der Nummer 4/2006 einer Zeitschrift angekündigt wird, dann merkt man: etwas ist nicht in Ordnung. Dennoch handelt es sich im Fall der „Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz zur Geschichte der Arbeiterbewegung“, kurz IWK, um eine gute Nachricht.

Denn lange sah es so aus, als ob die IWK ihr erscheinen komplett einstellen würde. Nachdem schon die Zeitschrift Sozial.Geschichte ihre Printausgabe eingestellt hat, wäre mit dem Ende der IWK nur noch eine einzige Publikation zum Thema Arbeiterbewegung übergeblieben: Das „Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung“. Angesichts einer Bewegung, dass die Welt und auch diese Republik wie kaum eine andere geprägt hat, ein Armutszeugnis.

Aber die IWK wird weitermachen, es bleibt uns eine Kritische Stimme zum Thema erhalten. Selbstverständlich war das nicht. Nachdem Jahrelang das Otto Suhr Institut der FU Berlin die Herausgeberschaft übernahm, hat man an Lenzens neuer Elite-Uni kein Interesse mehr an kritischen sozialen Themen, insbesondere nicht an der Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung. Eine „Stille Liquidation“ nannte die „Junge Welt“ den Vorgang, ein besseres Wort für die Kalte Abwicklung einer einzigartigen Zeitschrift fällt uns auch nicht ein.
Nun hat das Internationale Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, das wohl weltweit größte Forschungsinstitute zum Thema, sich der Zeitschrift angenommen und wird als Herausgeber fungieren. Ob sich in Deutschland selbst kein Träger fand, ist unbekannt – es wäre jedoch kein Wunder angesichts der Verdrängung, mit dem die Deutschen ihren sozialistischen und revolutionären Traditionen begegnen.

Um so wichtiger ist es daher , daß sich Historiker und Historikerinnen weiterhin mit dem Thema beschäftigen, dem neuen Heft sei daher eine breite Leserschaft gewünscht. Mehr zur IWK und zum Inhalt des Neuen Heftes findet ihr hier: http://www.iwk-online.de/